Beckenboden-MRT und MRT-Defäkographie

Die Beckenboden-Diagnostik im Upright-MRT
– funktionelle Diagnostik und Untersuchungskomfort

Das Upright-MRT ist für die Diagnostik bei Funktionsstörungen des Beckenbodens besonders geeignet.

Die Methode verbindet die Vorteile einer MRT-Untersuchung mit der besseren funktionellen Darstellung in der physiologischen, sitzenden Position bei Durchführung der Funktionsuntersuchungen.
So bietet die Methode eine valide Diagnostik zur definitiven Klassifikation von belastungsabhängigen oder funktionsabhängigen Verlagerungen der Beckenbodenorgane und kann bei reproduzierbarer Bildqualität die weitere Therapieplanung sowie gegebenenfalls die Feststellung einer OP-Indikation erleichtern.
Zudem verbessert die Untersuchung in der für den Patienten gewohnten Positionen die Compliance, die für das Erreichen diagnostisch verwertbarer Untersuchungsergebnisse unerlässlich ist.
Die offene Bauweise bietet zudem auch Patienten mit Klaustrophobie deutlich angenehmere Untersuchungsbedingungen.
Bei Interesse an der Untersuchungsmethode, zur Kostenerstattung bei gesetzlich versicherten Patienten oder weiteren Fragen steht das Praxis-Team Ihnen gern zur Verfügung.

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Fallstudie aus unserer Praxis

Anamnese:

In unserer Sprechstunde stellt sich eine 69-jährige Patientin vor, die über seit Jahren bestehende Schmerzen bei Miktion, gemischter Drang- und Stress- Inkontinenz, Pollakisurie und Nykturie klagt.
Zudem berichtet die Patientin über chronisch progrediente Stuhlentleerungsstörungen auch unter forciertem Pressen mit gefühlt unvollständiger Entleerung.
Aus der Vorgeschichte ergibt sich ein Z. n. gynäkologischer Total-Operation sowie Z. n. Sigmaresektion mit nachfolgender Stenose der Deszendorektostomie und Bougierung.
In der letzten Koloskopie Nachweis einer mäßigen Rest-Stenose ohne Nachweis weiterer pathologischer Befunde.
Zudem beklagt die Patientin ausgeprägte klaustrophobische Beschwerden.
Zur Abklärung der Schmerzsymptomatik sowie der funktionellen Darstellung des Beckenbodens wurde eine dynamische Kernspintomographie mit Defäkation nach rektaler Gel-Applikation in sitzender Position im offenen Upright-MRT durchgeführt.

Der MRT-Befund:

Durchführung der Untersuchung in Neutralposition sowie unter Kontraktion und maximaler Anspannung des Beckenbodens vor Durchführung der Defäkographie.
In der Neutralposition zeigt sich eine regelrechte Positionierung der gefüllten Harnblase mit gestrecktem Verlauf der Harnröhre. Regelrechte Weite des pubococcygealen Winkels mit diskreter Aufweitung des anorektalen Überganges nach Gel- Applikation.
Unter Kontraktion suffiziente Hebung des Beckenbodens ohne Nachweis einer Motilitätsstörung.
Unter maximaler Entspannung beginnende Ausbildung einer anterioren Rektozele sowie ein deutliches Tiefertreten des Harnblasenbodens deutlich unterhalb der pubococcygealen Linie.
In der Defäkographie primär Entleerung der Rektumampulle mit ausbleibender Entleerung der anterioren Rektozele sowie Entrapment des in der proximalen Rektumampulle befindlichen Gels durch die tiefertretende Harnblase bei ausgeprägter Zystozele.
Bei ausgeprägter Zystozele begleitende Verlagerung der Harnröhre als Anzeichen einer Hypermobilität der Urethra mit positionsabhängiger Dilatation des internen urethralen Ostiums.
Bei zunehmendem Tiefertreten der Zystozele mechanisch bedingter Verschluss der Harnröhre.
Zusätzlich zeigt sich unter forcierter Bauchpresse eine diskrete Verlagerung von mesenterialem Fettgewebe in den Douglasraum / Peritoneozele.